Fall
Essentielle Würde · Der Planet im Gegenzeichen seiner Erhöhung
Der Fall ist das Gegenstück zur Erhöhung: Ein Planet steht in dem Zeichen, das seinem Erhöhungszeichen gegenüberliegt. Wo die Erhöhung den geehrten Gast beschreibt, beschreibt der Fall den Gast, dessen Talente im Haus gerade nicht gefragt sind. Im Geburtshoroskop zeigt ein Planet im Fall einen Bereich, in dem jemand leiser wirkt als seine Anlage vermuten ließe, und in dem sich mit der Zeit eine stille, verlässliche Qualität entwickelt.
Bedeutung im Horoskop
Ein Planet im Fall hat seinen Glanz verloren, nicht seine Substanz. Die Sonne in der Waage sucht sich im Gegenüber statt im eigenen Auftritt, der Mars im Krebs schützt lieber, als dass er angreift, die Venus in der Jungfrau liebt in Taten statt in Gesten. Die Deutung liest den Fall als Verschiebung des Ausdrucks: Das Prinzip ist vorhanden, zeigt sich aber indirekt und wird oft erst auf den zweiten Blick erkannt, von anderen wie vom Menschen selbst. Daraus entsteht häufig eine besondere Bescheidenheit und eine Fähigkeit, die nicht laut sein muss, um zu wirken. Viele Menschen erleben ihren Planeten im Fall im Rückblick als die Eigenschaft, die am meisten gereift ist.
Die Planeten und ihre Zeichen
Da jeder klassische Planet nur ein Erhöhungszeichen hat, besitzt er auch nur ein Fallzeichen. Die Sonne ist in der Waage im Fall, der Mond im Skorpion, Merkur in den Fischen, Venus in der Jungfrau, Mars im Krebs, Jupiter im Steinbock und Saturn im Widder. Merkur in den Fischen steht zugleich im Exil, weil die Fische auch dem Zwillinge-Domizil gegenüberliegen; diese Berechnung zeigt dann das Exil an, da es in der klassischen Reihenfolge der Würden vor dem Fall ausgewertet wird. Alle übrigen Zuordnungen sind eindeutig und lassen sich aus der Erhöhungstabelle durch Spiegelung herleiten.
Herkunft und Tradition
Wie die Erhöhung selbst gehen die Fallzeichen auf babylonische Listen zurück und wurden von Ptolemäus in der Tetrabiblos als deren Spiegelung beschrieben. Die lateinischen Autoren nannten den Zustand casus oder deiectio, das Englische sagt bis heute fall. In William Lillys Wertung von 1647 ist der Fall die mildere der beiden Schwächen und zieht weniger Punkte ab als das Exil, eine Gewichtung, die sich in der traditionellen Praxis gehalten hat und die auch der Dominanten-Score dieses Portals übernimmt.
Moderne Lesart
Die moderne Astrologie deutet den Fall weniger als Schwäche denn als Verschiebung in den Hintergrund: Der Planet arbeitet, aber er drängt sich nicht vor. Für Uranus, Neptun und Pluto gibt es weder Erhöhung noch Fall in der klassischen Lehre; diese Berechnung lässt die drei äußeren Planeten deshalb ohne Würde und vermerkt lediglich ihre Stellung als moderne Herrscher von Wassermann, Fische und Skorpion. So bleibt die Tabelle auf das beschränkt, was zwei Jahrtausende Praxis tatsächlich belegen.
Häufige Fragen
Ist der Fall schlimmer als das Exil?
Traditionell gilt das Exil als die schwerere Schwäche, weil es die Grundnatur des Planeten betrifft. Der Fall betrifft seinen Glanz; der Planet wirkt leiser, bleibt aber in seiner Substanz erhalten.
Haben alle Menschen einen Planeten im Fall?
Nein. Jeder Planet hat nur ein Fallzeichen von zwölf, viele Horoskope enthalten deshalb keinen einzigen Planeten im Fall, andere einen oder zwei.
Was hilft einem Planeten im Fall?
Günstige Aspekte, ein gut gestellter Herrscher des Zeichens und ein bewusster Umgang mit dem Thema. Viele Astrologen betrachten den Planeten im Fall als den, der am meisten dazulernt.